Essen 2010: städteübergreifender Erfolg?
Christoph Karcher hat die Frage europa-digital.de untersucht, wie die anderen Ruhrgebietsstädte sich mit der erfolgreichen Bewerbung von Essen als Kulturhauptstadt arrangieren werden und ob tatsächlich “Essen und das Ruhrgebiet” 2010 gemeinsam erfolgreich sein werden.
Rechtsgrundlage der Kulturhauptstadt
Der Titel der Kultuhauptstadt Europas wird auf Grundlage des Beschlusses 1419/1999/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. Mai 1999 über die Einrichtung einer Gemeinschaftsaktion zur Förderung der Veranstaltung „Kulturhauptstadt Europas” für die Jahre 2005 bis 2019 vergeben.
Der Wortlaut kann u.a. hier eingesehen werden.
Der rosarote Panther dirigiert
“Peter Sellers wird Intendant der Kulturhauptstadt Essen 2010″, vermeldeten die Radionachrichten - und der autofahrende Hörer kam knapp vor dem Straßengraben zum Stehen. Sellers als Intendant, Paulchen Panther am Dirigentenpult, das sind ja rosige Aussichten.
Einige Minuten der Besinnung brachten die Entwarnung. Sellers ist tot, Sellars hingegen lebt: Peter Sellars, Theaterregisseur mit weltweiter Reputation. Es bleiben die beiden Grundfragen rund um die Intendanz: braucht die Kulturhauptstadt überhaupt einen Intendanten, neben oder über den Intendanten der einzelnen Häuser. Und ist Sellars die richtige Wahl?
Erste Kostprobe der Kulturhauptstädte findet im gleißenden Licht statt.
Am 29. Oktober beginnen die 57. Lichterwochen in Essen. Als Gastland wird Ungarn vorgestellt. Dabei wird der Fokus auf der Partner-Kulturhauptstadt Pécs liegen. In 9 Lichtbildern wird das Land mit seinem Brauchtum und Tradition vorgestellt. Das Festival bietet seinen vier Millionen erwarteten Besuchern die Gelegenheit Ungarns Kultur und Tradition kennenzulernen.
Auf diese Weise bekommen die Gäste der Lichterwochen einen glänzenden Eindruck von der partnerschaftlichen Zusammenarbeit dieser beiden Länder, die gemeinsam Kulturhauptstadt 2010 sein werden.
Weitere Informationen unter http://www.lichtwochen.essen.de
Essen - Kulturhauptstadt ohne Geschichte?
“Geschichtslos” sind Städte wie die freie Reichsstadt Dortmund oder Essen (Gründung Kloster Werden 799, Gründung Stift Essen 845) sicher nicht zu nennen, auch wenn das Handelsblatt das so sieht. Allerdings ist es richtig, und dies räumt auch das Kulturhauptstadtbüro 2010 selbst ein, dass Essen und das Ruhrgebiet als Ballungsraum noch sehr jung sind.
Es stellt sich jedoch die Frage, ob es wirklich jahrhundertealter Patina bedarf, um dem Anspruch an eine Kulturhauptstadt gerecht zu werden. Das MoMA ist auch einige Tage jünger als die Uffizien, aber impliziert das gleich eine Rangordnung?
Das Herumreiten auf der Stadtgeschichte lenkt doch ein wenig von der eigentlichen Frage ab, nämlich der, ob die Anforderungen an eine Kulturhauptstadt derzeit erfüllt sind.


