Das Bambiverfahren
Rollenspiel im Duisburger Innenhafen, Stiftung DKM, „Seit Jahrmillionen“ von Christiane Möbus - Drei werden ein Bambi:
Bambi löst seine rehbraunen Augen von den Leeren der Reh- und Rotwildschädel und sein Blick wandert über den Garten der Erinnerungen, mit denen aus sanften Grün auftauchenden Trümmerblöcken., den zwischen weiß und grün wechselnden Wiesenwellen, den aus dem Boden sprießenden Stahlgerüstpilzen und ruht schließlich auf den 20 Tonnen schweren und acht Meter langen Granitwalzen, an deren Fassungen bereits die Farbe, die so gut in die Umgebung passte, abblättert, sodass es noch besser passt.
Die Frage beständig im Hinterkopf hämmernd, wie ein Steinbohrer auf Granit, sah Bambi zwischen der hinter den Glasscheiben hängenden Totenherde und den bösartigen Riesenwalzen hin und her: „Was haben die miteinander zu tun? Ist es nicht seltsam, dass sich totes Leben drinnen und bewegliche, scheinbar lebendige, Maschinen draußen befinden? Fühle nur ich mich zwischen diesen Walzen und dem Meer spitzer Geweihe in meinem natürlichem Lebensraum bedroht? Welcher Mensch kam auf die Idee, diese Schädel, Zeichen des Todes, in so einer kranken Masse, das jede Jägerstube wie ein Witz erscheint, so in Reih und Glied, so befremdlich anzuordnen, dass man sich fühlt, als stehe man vor einem leblosem Nadelbrett?“
Da stimmt der Chor der toten Rehe lautstark an, zur Melodie von „Heute kann es regnen..“ : „Wir sind alles Reste, ausrangiert und tot ….“ und der Granitwalzenbass steigt ein: „…nutzlos und vergangen, all in einem Boot.“.
Mitgerissen tanzt Bambi auf einem der Steinkolosse und ruft überrascht: „Und sie dreht sich doch!“ , bevor er herunterstürzt und der Chor verstummt.
„Ich bin mir trotzdem nicht sicher, was ihr bedeutet“ sprach Bambi zur Walze, die darauf selbstsicher erwiderte, als wenn sie eine Pressemitteilung zitiere:
„Der gesamte Prozess der Entwicklung unserer Erde wird mit der Entstehung des Granits als Tiefengestein in der Gegenüberstellung mit Relikten von Lebewesen, den Gehörnen von Rehwild umrissen.“
„Das kommt wir so weit hergeholt und so speziell vor. Ich kann es leider immer noch nicht richtig verstehen. Nur meine Ideen erscheinen mir jetzt falsch.“
Da druckte eine Walze den Titel „Seit Jahrmillionen“, der sogleich wieder stur versicherte:
„Der Betrachter, inmitten dieser Urgestalten unserer Erde, wird Teil der Rauminstallation und erhält auf diese Weise Anreize, über die eigene Herkunft und die zukünftige Entwicklung unserer Umwelt zu reflektieren.“
Unbeachtet, übergangen und niedergewalzt fragt das betrachtende Bambi: „Was?“
Aufführung “Rocco und seine Brüder”
Im Rahmen der Ruhrtriennale fand am ersten Oktoberwochenende die Aufführung der Bühnenadaption des Luchino Visconti-Films “Rocco und seine Brüder” in der Bochumer Jahrhunderthalle statt. Den Film habe ich vorher nicht gesehen. Insofern gab es keine “Vorbelastung”. Das Stück wurde von einem holländischen Ensemble realisiert und dauerte ca. 2 Stunden 45 Minuten ohne Pause. Das überforderte einige Zuschauer, die die Aufführung deutlich vor dem Ende verließen. Die Geschichte handelt von einer süditalienischen Familie, die nach Norditalien migriert, um dort Arbeit, Aus- und Einkommen zu finden. Rocco und seine vier Brüder repräsentieren die verschiedenen Möglichkeiten, mit den Problemen der Migration, der Entwurzelung in einer neuen Umgebung zurecht zu kommen (bzw. daran zu scheitern). Da es sich um ein niederländisches Ensemble handelte, wurde die süditalienische Familie auf deutscher Sprache mit holländischem Akzent gesprochen, was dem Thema eine gewisse Schwere nahm. Aber auch zu einer unfreiwilligen Komik führte, wenn aus “Vince” (für Vicenzo) “Fietje” gehört werden konnte. Der holländische Akzent ist ja ganz niedlich. Wer sich auf das Stück einlassen kann, wird durch die famosen Schauspieler immer tiefer in das (Familien-)Drama hinein gezogen. Erstaunlich dabei ist, wie aktuell die Vorlage nach wie vor ist. Besonders zwingend ist der Bezug auf Italien mit einem holländischen Ensemble in deutscher Sprache, was die heutige globale Dimension der Migration verdeutlicht, ohne allzu plump auf hiesige Migrantengruppen zu rekurieren. Nicht zuletzt die Umgebung der Jahrhunderthalle in Bochum bietet eine Kulisse für die Zentralbühne, in der die harte Arbeit Einheimischer und Zugewanderter noch heute förmlich zu riechen ist. So liefert die Aufführung von “Rocco und seine Brüder” trotz einiger dramaturgischer Schwächen und Peinlichkeiten (eine plakative Vergewaltigungsszene) genug Stoff für weitere Diskussionen, die am besten bei einer echten Currywurst und einem Fiege geführt werden. Und dann mal das filmische Original anschauen.
Entengeschichten - Neues aus Duishausen
Die neue goldene Leiter
Mit jedem Strich der Comiczeichnerfeder wird unserem Auge das Bild deutlicher und die Fantasie ergänzt lächelnd den Text.
Wir sehen Dagobert Duck, wie immer mit dem schwarzem Zylinder sich vor jeder Witterung schützend, den Zwicker vor den zornig blitzenden Augen eingerahmt von seinem Erpelbart, den Schnabel wie für eine Rede geöffnet ,die rote Anzugsjacke passend zu den Sandalen, welche die platten Entenfüße kleiden und den schlichten Gehstab erregt gestikulierend hochgerissen. weiterlesen…
Kleiner Prometheus…
Heute war wieder eine Führung für eine 6.Klasse eines Gymnasiums im Wilhelm Lehmbruck Museum, das ist die Stufe, wo die Mädchen größer als die Knaben sind, kaum einer größer als 1,50 und das Geschlecht nicht an den Stimmen erkennen kann.
So eine Führung habe ich mir heute angesehen. Eine Lehrveranstaltung eigentlich für die Kleinen. weiterlesen…
Viersiebtel mit Fünf Sinnen.
Guten morgen,
viersiebtel der Woche sind rum, (v)erlebt im Dunstkreis des Wilhelm Lehmbruck Museums.
Das Wilhelm Lehmbruck Museum ist ein Museum hauptsächlich für Skulpturen, und man sagte mir, da ich mich eher fürs Wort interessiere, ich solle mal gucken wie ich mich einbringe, was ich anstelle.
Leider fehlt mir die künstlerische Autorität um mit einer Spraydose und einem buntem Graffiti Skulptur und Wort direkt zu verbinden. weiterlesen…


