Entengeschichten - Neues aus Duishausen

Die neue goldene Leiter

Mit jedem Strich der Comiczeichnerfeder wird unserem Auge das Bild deutlicher und die Fantasie ergänzt lächelnd den Text.

Wir sehen Dagobert Duck, wie immer mit dem schwarzem Zylinder sich vor jeder Witterung schützend, den Zwicker vor den zornig blitzenden Augen eingerahmt von seinem Erpelbart, den Schnabel wie für eine Rede geöffnet ,die rote Anzugsjacke passend zu den Sandalen, welche die platten Entenfüße kleiden und den schlichten Gehstab erregt gestikulierend hochgerissen.

Donald, ebenso wie wir ihn noch aus unzähligen Geschichten kennen, chic gekleidet im blauen Matrosenjäckchen, mit dem weißen Matrosenhut, an dem dieses schwarze Fähnchen immer absteht, hat den typischen Entenzuhörer Gesichtsausdruck gezeichnet bekommen.

Als nächstes wird der Hintergrund um die Zwei gestaltet. Langsam zeigen sich den Augen die Konturen eines großen Einkaufscenter, in dessen glänzenden Schaufenstern noch immer die Banner „Neueröffnung“ hängen. Golden glitzernd prangt ein fettes „MM“-Emblem auf der Glasfassade, hinter dem sich eine goldene Leiter hoch in den Himmel streckt und scheinbar fast die schneeweißen Comicwolken berührt.

Was mag der wild gestikulierende Onkel Dagobert seinem Donald nun wieder zu sagen haben?

„Donald, mein Junge, ich bin mit dir hierher zu kommen, um dir eine Lektion zu erteilen, sodass du - auch wenn ich noch einen weiten Weg vor dir sehe – einmal weißt, wie du mit deinem Reichtum umzugehen hast. Wie der Gedanke an diesen Mac Moneysack mir die schönsten Geldspeicherbäder und selbst das unschuldige Einschlaf-Pennyzählen verdirbt!

Schau dir nur diese goldene Leiter an! Schlicht, wie jede Leiter, aber unvorstellbar teuer und protzig-groß. Man mag Kunst nennen was man will, aber dies ist doch nur ein hirnloses, nach Aufmerksamkeit lechzendes, teures Symbol für einen Einkaufscenter!

Und was für ein Symbol…

Wollte er den goldenen Kirchturm seiner Kapitalistischen-Konsum-Surrogatreligion zur schau stellen? Uns sagen, indem er diesen Schnickschnack ins Einkaufscenter stellt, dass allein Gold, Geld und Einkaufen, uns hoch hinaus bringt? Glücklich macht?

Schau nur, wie diese Leiter sich nach oben verengt, und dort nur noch Platz für wenige bleibt. Brauchen wir so ein Symbol?

Du kennst mich gut, Neffe, mir ist es zuwider mit meinem Reichtum, auch wenn ich ihn liebe, so zu protzen. Da schenke ich lieber dir armen Lebenskünstler einen Taler und glaube, den tausend mal besser investiert zu haben.“

Geschrieben von Tea am Friday, den 26. September 2008 um 16:06 Uhr in Kultur, Region Duisburg. Diesen Beitrag weiterempfehlen

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