Kleiner Prometheus…
Heute war wieder eine Führung für eine 6.Klasse eines Gymnasiums im Wilhelm Lehmbruck Museum, das ist die Stufe, wo die Mädchen größer als die Knaben sind, kaum einer größer als 1,50 und das Geschlecht nicht an den Stimmen erkennen kann.
So eine Führung habe ich mir heute angesehen. Eine Lehrveranstaltung eigentlich für die Kleinen.
Wenn das eigentlich nicht wäre, würde ich jetzt eigentlich nicht davon erzählen wollen.
Es ist bezaubernd, wie die Kleinen die Skulpturen betrachten, offen und verständnisvoll die Körpersprache deuten und sich in die Skulpturen einfühlen, wie sie sich darum reißen, zu zeigen, wie man ein kleines Kind richtig hält, und wie sie sofort die schützende Haltung der Mutter erkennen oder die abstrakte Skulptur gleich erfassen.
Es hat mich sehr beeindruckt. Man sollte anstatt nur Führungen für Kinder, auch Führungen von Kindern anbieten, bei denen die Erwachsenen beobachten dürfen, wie man sich in Kunst einfühlt!
Abschluss der Führung war eine halbe Stunde Arbeit mit Ton. Mit Begeisterung formten die Kleinen, ohne weitere Anleitung, liegende, stehende, gebeugte Figuren, ähnliche wie die Gesehenen, stellten sogar, was mich sehr beeindruckte, die Wirbelsäule dar, achteten auf Körperhaltung und Körperausdruck und innovierten das ganze doch, eigenständig und ein wenig rebellisch, mit Irokesenschnitt oder tauften ihr Werk „Gammler mit Zigarette im Rauchverbot“.
Wer jetzt müde lächelt, an gekritzelte Bilder oder zusammengepanschte Tonteile denkt und meint „sind doch nur Kinder, nur Kinderkunst“, dem möchte ich sagen, dass manche Figur kaum noch was Kindliches hatte und die Figur der Lehrerin oder meine Eigene, auch nicht besser aussahen.
Und so schufen sie, Menschen nach ihrem Bilde!
Geschrieben von Tea am Friday, den 5. September 2008 um 14:27 Uhr in Kultur, Region Duisburg. Diesen Beitrag weiterempfehlen
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